Brasilien

 

Amazonien

Expeditionen in die »grüne Hölle«

Amazonas - ein Mahlstrom der Träume. Führten seine Fluten zum El Dorado - zur sagenhaften Stadt aus purem Gold? Francisco de Orellana lässt die Expedition von Gonzalo Pizarro in Ecuador im Stich und fährt 1542 auf eigene Faust mit ein paar Männern den Napo hinunter. Sie leiden entsetzlich und verteidigen die nackte Haut gegen die Attacken der Flussindianer, weibliche Krieger, die Amazonen glichen, jenen Fabelwesen aus der griechischen Sage. Orellana erreicht den Atlantik und kehrt mit reichen Schätzen an den Hof von Madrid zurück. Unverzüglich soll er zurückkehren und »Neu-Andalusien« in Besitz nehmen. Das Flussfieber rafft ihn dahin. Im 18. Jh. errichten die Portugiesen Befestigungen in Belém, Santarém, Óbidos, Manaus und noch weitere den Rio Solimões und Rio Negro aufwärts. Im 19. Jh. boomt der Kautschukhandel. Abenteurer und Spekulanten machen sich auf nach Manaus, Leticia und Iquitos, fieberverseuchten Nestern, in denen über Nacht Paläste aus italienischem Marmor entstehen. Der Blütentraum vom irdischen Paradies zerfällt schnell, doch in der feuchten Hitze bricht der Wahn immer wieder aus. »Fitzcarraldo« ist keine Erfindung von Werner Herzog, er hat gelebt. Henry Ford verlor Millionen Dollar am Rio Tapajós mit Gummiplantagen. Ein anderer US-Millionär, Daniel Ludwig, verspielte sein Vermögen am Rio Jari. Amazonien, auch heute noch hat dieser Name magischen Klang.

Belém

»Bethlehem« (1,3 Mio. Ew.), die Hauptstadt des Bundesstaats Pará, liegt auf einer Halbinsel, die sich wie der Bug eines Schiffs in das Amazonasdelta schiebt. Das Forte do Castelo ist die Galionsfigur Beléms. Von seinen Mauern schweift der Blick hinaus auf die Bucht von Marajó - noch Fluss, schon Meer. Hinter dem Fort liegen die malerischen Piers und Schuppen, gewagte Konstruktionen aus Balken und Latten, hölzerne Laufstege, die sich im Labyrinth der Buden und Spelunken an den Ufern des Guamá verlieren. Unterhalb der Festung sind die Fischerboote vertäut. Im Morgengrauen bringen sie ihre Ladung an Land. Fette schwarze Geier und magere Köter streiten sich um die Reste. Amazonasdschungel im Miniaturformat können Sie im Park Rodrigues Alves (an der Straße zum Flughafen) erleben.

Manaus

Industriestadt (1,5 Mio. Ew.) am Rio Negro. Amazonas-Romantik werden Sie hier kaum noch finden. Die Flieger, die täglich aus São Paulo, Brasília und Rio einschweben, schaffen weniger Naturschwärmer als »Butterfahrer« heran, die im zollfreien Gebiet einkaufen, um die Lieben daheim mit Videorecordern, Parfüms und Uhren zu beglücken. Sie sollten wegen der umständlichen Zollabfertigung, die vor dem Abflug stattfindet, bereits zwei Stunden früher einchecken. Manaus ist der Ausgangspunkt für alle Touren am mittleren und oberen Amazonas (bzw. Solimões - so heißt er nämlich bis zur Vereinigung mit dem Rio Negro, an dem Manaus liegt).

 

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