Brasilien
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Der Nordosten
Archaisches Hinterland und weite Strände
Der Nordosten Brasiliens ist das archaische Hinterland der Nation. An der Atlantikküste reihen sich barocke Städte und endlose Strände aneinander - und dazu brennt die Sonne ohne Unterlass. In Bahia kommt das Erlebnis einer reichen afrikanisch geprägten Musik- und Tanzkultur hinzu, besonders in der Hauptstadt Salvador bzw. in deren lebendiger Altstadt Pelourinho. Auch religiöse Candomblé- Kulte finden hier so häufig wie nirgendwo statt, und hier stehen die prachtvollsten alten Kirchen des Landes; auch in Olinda bei Recife taucht man tief in die koloniale Vergangenheit ein.
Neben dem kulturgeschichtlichen Reichtum des Nordostens ist diese Region das Eldorado für Strandurlauber, die nicht nur einfach in der Sonne liegen wollen. Eine Strandbar reiht sich an die andere, ob für zehn oder tausend Besucher. Und nie fehlt es an flotten Axé- oder Forró-Rhythmen, häufig auch live. Dass hier niemand steif am Tisch sitzen bleibt, muss kaum noch gesagt werden. Und geflirtet wird ohne Ende.
Fortaleza
Fortaleza (2,1 Mio. Ew.), die Hauptstadt des Bundesstaates Ceará, hat sich zu einer modernen und aufgeräumten Stadt gemausert, besonders in den strandnahen Vierteln. Im Bohemerevier Iracema stehen die alten Villen unter Denkmalschutz und dienen oft als Gourmettreffs. Die autofreie und romantisch beleuchtete Promenade lockt mit vielen Bars und Treffpunkten, auf der Ponte Metálica (Metallbrücke) genießen die Liebespaare den Sonnenuntergang.
Reizvoll ist auch das Flanieren am Nachbarstrand Meireles; hier befinden sich die meisten Hotels und Restaurants sowie ein ständiger großer Kunsthandwerkermarkt. Ein Stück weiter, an der Praia do Iate, sieht man Fischer mit ihren flachen jangadas (Segelflößen) frisches Meeresgetier anliefern, weltberühmt sind die hiesigen Langusten.
Der eigentliche Badestrand ist jedoch die Praia do Futuro. Auf 8 km reiht sich hier eine große Strandbar an die andere, verbunden durch eine schöne Promenade. Die Einheimischen gelten als ein besonders tanzwütiges Völkchen und treffen sich jeden Abend an einem festgelegten Ort wieder. So ist es dort immer voll, und man trifft den Partner vom Vorabend meistens wieder.
Das Zentrum von Fortaleza ist nicht gerade schön und gleicht mit vielen Billigläden und dem marktschreierischen Treiben den anderen Städten des Nordostens. Nur kann man hier besser und günstiger Kleidung und Lederwaren erwerben, die Region ist berühmt dafür. Architektonisch hat die Stadt wenig zu bieten. Kaum etwas erinnert noch daran, dass dies eine holländische Gründung war, die einmal Schoonenborch hieß. Beachtenswert ist jedoch das schöne Jugendstiltheater, das nach völliger Renovierung 1991 wieder eröffnet wurde.
Olinda
»O, linda!«, »O, Schöne«, dieser begeisterte Ausruf beim Anblick des Ortes gab ihm der Sage nach den Namen. Auch heute noch ist das nachvollziehbar. Auf einer Anhöhe über dem Meer gelegen, besitzt diese Stadt neben Ouro Preto und Parati das geschlossenste barocke Stadtbild unter dem brasilianischen Kreuz des Südens. Die Stadt (368 000Ew.) liegt nur 7 km vor den Toren Recifes, lohnt aber einen längeren Aufenthalt.
Recife
Recife (1,4 Mio. Ew.), das ist die Metropole des Nordostens, das Einfallstor der Charterflieger und die Hauptstadt der traditionsreichen Provinz Pernambuco. Ursprünglich fungierte das Riff (recife) als Hafen von Olinda, bis es sich in der ersten Hälfte des 17. Jhs. unter den Holländern rasant entwickelte. Statt »Riff« trug die Stadt einmal den Namen »Moritzburg«, und die gebildeten Pernambucaner sind heute noch stolz darauf. Denn es war Moritz von Nassau, der im Auftrag der holländischen Westindischen Compagnie den Landstrich in Besitz nahm, um ihn für den Anbau von Zuckerrohr urbar zu machen. Moritz von Nassau holte Künstler und Wissenschaftler nach Brasilien und förderte das friedliche Zusammenleben von Menschen aller Rassen und Religionen. Den holländischen Pfeffersäcken ging das zu weit, und sie beriefen ihren Statthalter ab. Nicht lange darauf zerfiel die Kolonie, und die Portugiesen eroberten Pernambuco zurück.
Geblieben ist die Monokultur des Zuckerrohrs, das auf dem fruchtbaren Küstenstreifen wie ein tiefgrünes Meer unter dem azurnen Himmel wogt. Und geblieben sind die Bauwerke, die Moritz von Nassau einst errichten ließ, um aus Recife ein zweites Amsterdam zu machen.
Salvador Da Bahia
Cidade do São Salvador da Bahia de Todos os Santos, das ist der vollständige Name der »Stadt des Erlösers an der Bucht aller Heiligen«. Die schwarze Seele Brasiliens nistet in ihren Mauern. 1549 wurde Salvador gegründet und blieb 200 Jahre lang Hauptstadt des tropischen Reichs, bis Rio de Janeiro 1763 die Krone an sich riss. Fast alle Bewohner von Salvador (2,5 Mio. Ew.) sind Nachkommen afrikanischer Sklaven. Die Sklaverei wurde erst 1889 aufgehoben, und sie hat bis heute tiefe Spuren in der Volksseele hinterlassen. Dazu gehört vor allem die Identifikation mit den uralten afrikanischen Traditionen, Riten und Rhythmen, die den Sklaven die Kraft zum Überleben gaben. Karneval, capoeira (ein Kampftanz) und candomblé (ein religiöser Kult) sind die Elemente einer Kultur des Widerstands. Auch heute noch wirkt die sinnliche Volkslust Salvadors auf viele Besucher aus dem so anders gearteten Europa wie ein Kulturschock. Nirgendwo sonst in Brasilien trifft man so viele Percussionbands wie hier. Unvermittelt stößt man in den Gassen der Altstadt auf laut trommelnde Frauen und Mädchen in afrikanischen Kostümen. Nicht umsonst ist hier die Wiege der weltberühmten Gruppe Olodum. Auch die Axé- Musik hat schon lange ihren Siegeszug durch die Lande angetreten. Und täglich wird Neues kreiert - Salvador, das bedeutet Musik, Schweiß und Erotik.
São Luís
São Luís (867 000 Ew.) ist die Hauptstadt des Staates Maranhão, der allein so groß ist wie ganz Frankreich. Franzosen waren es auch, die São Luís zur Hauptstadt ihrer Kolonie machten und sich mit Holländern im 17. und 18. Jh. um den Besitz stritten. Das koloniale Stadtbild ist noch erstaunlich geschlossen. Der »Balkon« der Stadt, die Praça Benedito Leite, bietet eine hübsche Aussicht über die roten Ziegeldächer und die Baia de São Marcos. In São Luís geht es weniger hektisch zu als in anderen brasilianischen Städten vergleichbarer Größe.






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