Brasilien
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Der Westen und die Mitte
Schwarzes Gold und Beton
Der Bundesstaat Minas Gerais ist ein stürmisches Landmeer. Die weite Dünung des Planalto türmt sich in Küstennähe zu steilen Gebirgswellen auf, die lange den Zugang zum Hinterland versperrten. Erst Sklavenjäger und Goldsucher überwanden die Barriere. Als im Flusssand jenseits der Berge Gold gefunden wurde, gab es kein Halten mehr: Goldgräberstädtchen schossen aus dem Boden. Die portugiesische Krone sicherte sich den Löwenanteil, und wer für fromme Zwecke Gold gab, war von der Steuer befreit. So entstanden prächtige Barockkirchen neben den Abraumhalden, die noch heute wie Diamanten im Bergland glitzern.
Brasília
In 1000 Tagen stampften 1957-60 Heere von Bauarbeitern Brasília (2 Mio. Ew.) aus der roten Erde des Planalto. Die Verlegung der Hauptstadt von der dicht besiedelten Küste in die menschenleere Hochebene war aus heutiger Sicht ein Akt des Größenwahns. Mit Brasília wollte der damalige Präsident Kubitschek den Aufbruch der Nation ins 3. Jahrtausend antreten. Ziel war die Kolonisierung des gewaltigen Binnenraums und der Vorstoß zu den Grenzen am Amazonas.
Alles, was eine Stadt ausmacht, fehlt Brasília. Es gibt weder Plätze, Straßen, Ecken, Promenaden noch Geschiebe und Gedränge, Lärm und Leben, Kneipen und Gassen. Die Architekten der neuen Hauptstadt, Oscar Niemeyer und Lúcio Costa, wollten eine Utopie verwirklichen, eine Metropole von Licht, Luft und Sonne, klar wie ein Kristall, logisch wie eine Gleichung, funktionell wie eine Maschine, sauber wie ein Klinikraum. Wie ein riesiges Raumschiff liegt Brasília unter dem blauen Himmel des Planalto. Transportbänder, Wohnsilos, Grünzonen, Tangenten und Parallelen sind die Elemente dieser Stadt. Ein Monument und Museum einstiger Visionen. Die Unesco stellte Brasília unter Denkmalschutz.
Corumbá
Corumbá (90 000 Ew.) ist Ausgangspunkt für Reisen ins südliche Pantanal. Die Hafenstadt liegt am Rio Paraguai und an der Grenze zu Bolivien. Um 1840 lag hier der größte Flusshafen der Welt, bis die Eisenbahn kam und alles verfiel. Kaum jemand bleibt länger hier; heute kommt man nur her, um von hier aus ins Pantanal zu gelangen. Der Südteil des Feuchtsavannengebiets ist von der Infrastruktur her besser erschlossen als der nördliche (siehe Cuiabá), dafür aber teurer, überlaufener. Meist nimmt man an einer organisierten Tour teil. Gleich bei Ankunft bieten sich Führer mit Jeep an, man sollte aber aus Sicherheitsgründen besser im Reisebüro buchen (z. B. Pantour, Rua Frei Mariano 1013, Tel. 067/231 20 00). Eintagestouren lohnen kaum, da man nicht weit genug in die Region vordringt. Übernachtet wird in Fazenda- Hotels oder auf Hotelbooten.
Cuiabá
Cuiabá (483 000 Ew.), die Hauptstadt von Mato Grosso, ist das Tor zum nördlichen Pantanal. Im Ort gute Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants. Der kleine Flughafen im Vorort Várzea Grande (10 km) bietet Souvenirshops, Autovermietungen und vor allem lebende einheimische Fische, die man von hier aus gleich fluggerecht verpackt mitnehmen kann.
Ouro Preto
Die koloniale Bergbaustadt (65 000 Ew.) steht als Unesco- Welterbe unter Denkmalschutz. Wer zählt die barocken Kirchen und schönen Paläste? Die kleine, hoch gelegene Stadt mit einer Bergakademie steckt voller Geschichten. In ihren steilen, rumpeligen Gassen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Ouro Preto war die Wiege brasilianischer Unabhängigkeit. Aus Wut über die Gier portugiesischer Kolonialbeamter verschworen sich Bürger der Stadt unter Führung des »Zahnziehers« Tiradentes gegen die Krone, wurden jedoch verraten.






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