Brasilien
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Rio de Janeiro
Das Wunder einer Bucht
Bereits einer der ersten europäischen Besucher der Bucht von Rio de Janeiro war so begeistert von der Schönheit des Ortes, dass er ins Logbuch schrieb: »Welch eine Anmut geht von dieser Bucht aus!« Kapitän Tomé de Souza war kein Schwärmer, sondern der Generalgouverneur der ersten Capitanias, ein Bastard aus einem der edelsten Häuser Portugals, der bereits in Asien sein Talent als Feldherr und Staatsmann bewiesen hatte. Seine Aufgabe war es, die Schlupfwinkel französischer Freibeuter auszuräuchern und strategische Punkte zu befestigen, seit die Portugiesen 1500 bei Porto Seguro gelandet waren.
Entdeckt hatten die Portugiesen die Bucht von Rio 1502 - oder ein Jahr früher, darüber streiten die Historiker. Weil die Entdecker die Guanabara- Bucht für eine Flussmündung hielten, tauften sie sie Rio de Janeiro, »Januarfluss«. Mit Hilfe der Indianer konnten die Portugiesen verhindern, dass französische Freibeuter den Naturhafen in die Hand bekamen. Doch erst im 18. Jh. wurde Rio der wichtigste brasilianische Handelsplatz und überflügelte Salvador da Bahia. Gold aus Minas Gerais und Kaffee aus dem Hochland waren inzwischen wichtiger für die Ausfuhr geworden als Zucker. Und der Hafen von Rio lag näher an den Gebieten, wo Gold und Kaffee herkamen. Als Napoleon Portugal besetzte und der Lissabonner Hof samt Gesinde nach Brasilien flüchtete, wurde Rio Hauptstadt »beider Portugal« und nach der Unabhängigkeit Hauptstadt des Kaiserreichs Brasilien.
Während Europa in Kriegen verblutete, funkelte der »Stern von Rio« wie nie zuvor. Stefan Zweig, der Bestsellerautor der 1930er-Jahre, wählte Petrópolis bei Rio als Exil und widmete Brasilien ein hymnisches Buch: »Brasilien, Land der Zukunft«. Die damalige Hauptstadt beschreibt er so: »Ihre Schönheit lässt sich kaum wiedergeben. Denn hier hat die Natur in einmaliger Laune von Verschwendung von den Elementen der landschaftlichen Schönheit alles in einem engen Raum zusammengedrückt, was sie sonst sparsam auf ganze Länder verteilt.«
Die letzten 40 Jahre setzten Rio de Janeiro (im Stadtgebiet 6 Mio. Ew.) arg zu. Armut und Elend haben sich wie Geschwüre aus den sumpfigen Barackenstädten bis weit in die Stadt und selbst bis zur Copacabana hin ausgebreitet. Heute wächst Rio jedoch langsamer, und manche Favelabewohner suchen wieder Arbeit auf dem Lande. Die dableiben, geraten immer mehr in den Sog des Drogenhandels. Die Kriminalität lässt sich trotz vieler Regierungsprogramme nicht aufhalten. Nur in den touristischen Vierteln ist es sicherer geworden, das äußere Antlitz ist einladender, und Flanieren an den Strandpromenaden ist wieder ein berauschendes Vergnügen.






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