Brasilien

 

Sao Paulo und der Süden

Auf Spurensuche in der Megalopolis

Die richtige Einstimmung auf São Paulo gewinnen Sie beim Anflug aus Rio de Janeiro. Wie eine Riesenpizza aus Beton und Asphalt dehnt sich die größte Metropole des Subkontinents aus. In diesem Großstadtdschungel leben und arbeiten mehr als 10 Mio. Paulistas. Aber São Paulo ist ein gut organisiertes Chaos: Hier schreit keiner, niemand drängt sich auf. Man geht leise miteinander um, reiht sich ein, stellt sich an. Die Männer tragen Anzüge in gedeckten Farben. Die Taxis haben Taxameter, die Metro hält den Fahrplan ein - für brasilianische Verhältnisse geht's zu wie in Hamburg: korrekt, aber etwas steif.

Arbeit und Brot - deshalb ziehen die Menschen in die Stadt. Selbst in den schlimmen Baracken am Stadtrand hoffen sie, ein besseres Leben zu finden. Im Umfeld von São Paulo werden 60 Prozent des industriellen Umsatzes von Brasilien erarbeitet und 50 Prozent der Energie verbraucht. Schwerindustrie, Fahrzeugbau, Stahl- und Textilkombinate, Chemiekonzerne, Papiermühlen, Banken und Versicherungen sind in und um São Paulo so zahlreich vertreten wie in allen übrigen brasilianischen Bundesstaaten zusammen.

Curitiba

Die Hauptstadt (1,58 Mio. Ew.) des Bundesstaats Paraná wurde zur Musterstadt Brasiliens, die mit Geschäften, Parks und Passagen an europäische Großstädte erinnert. Das raue Klima (viel Regen) gehört dazu. Namen wie Müller, Hecker, Jankowsky oder Todeschini sagen viel über die Herkunft der Bewohner: Einwanderer aus Deutschland, Polen, Italien und der Ukraine fanden im 18. und 19. Jh. in der damals abgelegenen Provinz ihre neue Heimat. Landwirtschaftliche Familienbetriebe und mittelständische Unternehmen bilden noch heute die Basis für Wohlstand.

Florianópolis

Floripa nennen die Einheimischen stolz ihr geliebtes Florianópolis (342 000 Ew.), als könne man es mit Florida vergleichen. Die Hauptstadt von Santa Catarina, für viele die schönste Gemeinde Südbrasiliens, ist zweigeteilt zwischen Festland und Insel, der Ilha de Santa Catarina. Zwei Brücken führen hinüber, die schönere, die für den Verkehr gesperrte Ponte Hercílio Luz von 1926, ist das häufigste Postkartenmotiv der Stadt.

Mit 42 Stränden und seiner grünen Hügellandschaft ist das Eiland ein Naturparadies; Industrie ist untersagt. Die Einwohner verteilen sich spärlich über die 18 km breite und 54 km lange Insel. Auch früher mochte man sich in dem berüchtigten Piratennest nicht so gerne ansiedeln, bis 1747-56 auf Anweisung der portugiesischen Krone 5000 Bewohner der Azoren hierher umgesiedelt wurden. Vier Festungen wurden errichtet, die man heute noch besichtigen kann. Die Azorenarchitektur ist gut in den verschlafenen Örtchen Santo Antonio de Lisboa und Ribeirão da Ilha erkennbar.

Quirliger geht es an den touristischen Stränden des Nordens der Insel zu. Besonders in Canasvieiras und Ingleses ist es immer voll. Anders der Inselsüden: Die Gegend ist schroffer, Berge reichen bis ans Meer; zu versteckten Stränden, Wasserfällen oder Höhlen mit 4000 Jahre alten Zeichnungen geht's nur zu Fuß. Juni bis Oktober kann man von einer Beobachtungsstation aus Wale sehen, die hier vorbei Richtung Norden ziehen.

Foz do Iguaçu

Für die Armen Brasiliens ist diese Stadt (258 000 Ew.) nicht viel mehr als eine Brücke (Ponte da Amizade), über die jeden Tag endlose Schlangen von Straßenhändlern mit Billigwaren aus Paraguay über die Grenze strömen. Die anderen kommen, um das größte Naturspektakel der Welt zu sehen: die Wasserfälle von Iguaçu. Von São Paulo oder Rio de Janeiro aus können Sie nach Foz do Iguaçu auch fliegen.

Porto Alegre

Porto Alegre (1,3 Mio. Ew.) muss einmal sehr schön gewesen sein. Den Autos zuliebe aber geriet ein Stück gutbürgerlicher Stadtkultur unter die Hacke. Geblieben sind ein paar Paläste aus der Gründerzeit, ein schmuckes Theater, schattige Plätze unter Palmen und der Parque Farroupilha. Porto Alegre ist das Herz und Hirn des südlichsten Bundesstaats Rio Grande do Sul und Heimat der Gauchos, die die Rinderherden der Pampas hüten.

São Paulo

Mönche zogen als erste in das Hochtal des Paraíba und gründeten 1554 eine Missionsstation. In deren Schlepptau folgten Abenteurer, bandeirantes (Fähnleinschwenker), weniger an der Missionierung als an der Versklavung der Indianer interessiert. Langsam wuchs aus dem Provinznest ein Marktflecken. Zu den Händlern gesellten sich europäische Handwerker und libanesische Kaufleute. 1908 erhält São Paulo seine erste gepflasterte Straße, 1922 die erste Universität Brasiliens. In den 1950er-Jahren überflügelt es Rio an Größe.

São Paulo ist ein Konglomerat von 38 Gemeinden und vielen Kulturen - eine wahre Megalopolis. Im Viertel Liberdade leben 200 000 Japaner: die größte Gemeinde außerhalb Japans. Die Koreaner beherrschen den Gemüsehandel, die Deutschen gründeten Brauereien und Metzgereien und errichteten ihre Villen in Santo Amaro. Zwischen Vila Guilherme und Vila Mariana leben die Portugiesen, in der Bixiga die Italiener. Dennoch ist São Paulo im Grunde eine Provinzstadt geblieben, in der hart gearbeitet wird. Der Feierabend beschränkt sich auf ein gutes Essen. Wenn man dabei auch noch über das Geschäft reden kann - um so besser!

 

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