Costa Rica

 

Pazifikküste

Wo die »ticos« Urlaub machen

An den Pazifikstränden boomt der Tourismus, und das nicht ohne Grund

An den schwarzsandigen Stränden der Pazifikküste wird vermessen, geplant und gebaut, denn die Nähe zum zentralen Hochtal - weniger als zwei Stunden Fahrt und stündliche Busverbindung - macht die Küste auch für die Hauptstädter, die Josefinos, attraktiv. Vom Boom erfasst sind seit jeher die Stadt Puntarenas und zunehmend andere Strände wie Manuel Antonio und Playa de Jacó, und am Wochenende ist überall viel los. Die Pazifikküste bietet wesentlich mehr touristische Infrastruktur als die Karibikseite.

Einsam und noch weit gehend unberührt ist dagegen Costa Ricas Süden, einst durch Bananenanbau zu Wohlstand gelangt. Nach dem Niedergang dieser Monokultur setzt die arme Region heute auf Naturtourismus.

Golfito

Herrlich ist bereits die etwa sechsstündige Anreise von San José nach Golfito, quer durch Costa Ricas unterschiedliche Landschaftstypen. Zunächst geht es in Serpentinen auf den höchsten Pass des Landes, den 3491 m hohen, meist nebelverhangenen Cerro de la Muerte, dann durch enge Kurven in das Valle del General. Kilometerweit erstrecken sich grüne Ananasfelder über die rote Erde. Im Nationalpark La Amistad folgt die Straße Flussläufen und passiert mehrere Wasserfälle. Ab Palmar Norte wird es schwül, die Vegetation tropisch: Orchideen, Bananen, Palmen. Bald wird der Blick frei für den Golfo Dulce und Golfito.

Sie ist heute die kleinste Hafenstadt des Landes. Ein halbes Jahrhundert zuvor avancierte der Hafen zur Nummer eins beim Bananentransport, 20 000 Menschen ließen sich in der Umgebung nieder, in der Altstadt eröffneten Bars und Bordelle. Heute geht es ruhiger zu in Pueblo Cívico, wie die Altstadt genannt wird. Nur noch die großen Häuser im Norden von Golfito erinnern an die mit Schule und Krankenhaus ausgestattete Siedlung der US-Angestellten. Eine neu errichtete Freihandelszone (depósito, zollfreies Einkaufen) und der Ausbau des Tourismus sollen Besucher bringen und Arbeitsplätze erschließen.

Puntarenas

Traditioneller Badeort für ticos, Hauptstadt (100 000 Ew.) der gleichnamigen großen Provinz, bis zum Ausbau von Puerto Caldera (17 km südlich) wichtigster Pazifikhafen des Landes. Puntarenas, groß geworden durch den Kaffeehandel, erstreckt sich über eine 6 km lange Landzunge in den Golf von Nicoya und schließt die Lagune und Bucht El Estero im Süden ab. Das schwüle, subtropische Klima begünstigt den Anbau von Reis, Bananen und Kokospalmen, für die Puntarenas noch heute Umschlagplatz ist. Einheimische vergleichen diesen Urlaubsort, in dem alljährlich Miss Costa Rica, die »Tica Linda«, gewählt wird, gerne mit Acapulco, doch das Wasser um Puntarenas ist nicht das sauberste, und die meisten ausländischen Touristen zieht es weiter zu den Sandstränden des Südens, mit der Fähre auf eine der vielen Inseln im Golf von Nicoya oder auf die Halbinsel Nicoya. An der Südseite der Stadt liegt ein langer Strandabschnitt, hier haben die Einheimischen ihre Wochenendhäuser, hier liegen die Boote. Dennoch: Mit dem Wohlstand ist es vorbei, denn der Hafen Caldera macht jetzt den Umsatz. Ganze Häuserblocks zeigen Anzeichen von Verfall, neue Arbeitsplätze erhofft man sich vom aufkeimenden Tourismus.

Quepos

Der einstmals bedeutsame Bananenhafen zählt heute nur noch 12 000 Ew. In der Umgebung der Stadt werden Reis, Sorghum (eine Hirseart) und tropische Früchte angebaut, aber auch Viehwirtschaft und Fischerei sind von Bedeutung. Puerto Quepos wurde von der US-Bananenexportfirma United Fruit Company als Ausfuhrhafen gebaut, aber seit in den Fünfzigerjahren eine Epidemie die Plantagen der Region heimsuchte, ging es mit dem Hafen bergab, und man ersetzte die Bananenplantagen durch Ölpalmen.

Schon bei der Anfahrt fällt die romantische Lage des Städtchens zwischen hügeligen Wäldern auf. Sie mag die Franziskaner bewogen haben, 1570 an der Mündung des Flusses Naranjo eine kleine Missionsstation zu errichten, die sie aber 1730 wieder verließen. Von der Station stehen nur noch einige Grundmauern. Heute besteht Quepos aus dem alten Pfahlbautendorf Boca Vieja bei der Brücke über die trichterförmige Flussmündung, wo man wegen Platzmangel die Häuser auf Stelzen ins Wasser setzte, aus der Bungalowansammlung der ehemaligen Bananenherren außerhalb des Städtchens und aus dem relativ neuen Zentrum.

 

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