Indien

 

Bombay und die Mitte

Bollywood und Buddhastätten

Die modernste Stadt Indiens, jahrtausendealte Tempelarchitektur und unentdeckte Strände

Bombay heißt seit 1995/96 offiziell Mumbai und besinnt sich damit wieder auf eigene Tradition statt der von den Kolonialherren eingeführten Namen. Die Hauptstadt des Staates Maharashtra sorgt bei der ersten Ankunft regelmäßig für einen Kulturschock. Das Manhattan Indiens hat durch die Hochhäuser von Banken und Industriefirmen eine amerikanische Skyline bekommen. Aber zu ebener Erde zeigt die Megastadt am Arabischen Meer auf Märkten und Plätzen, in Filmstudios (deshalb Bollywood) wie in Nobelhotels, in der Architektur wie in den Kochtöpfen Indiens eine faszinierende Mischung westlicher und orientalischer Lebensart.

Der Staat Maharashtra ist fast so groß wie Deutschland. Während das schmale Küstenland der Konkan Coast fruchtbar ist und einige Strände hat, die der Tourismus derzeit gerade entdeckt, ist das Hochland ein Herzstück indischer Kultur. In den Höhlentempeln von Aurangabad, Ellora und Ajanta wird das künstlerische Erbe des Buddhismus und frühen Hinduismus sichtbar. Noch im 17. Jh. erhob sich in Maharashtra unter dem Volkshelden Shivaji der Hindu-Widerstand gegen die muslimischen Moguln. Noch viel älter ist die Tradition der Burgen - rund 350 an der Zahl. Im 20. Jh. zog Bhagwan Shree Rajneesh (Osho) Anhänger aus aller Welt in seinen Ashram nach Pune (Poona).

Andhra Pradesh - kaum kleiner als Maharashtra - ist reich an kostbaren Tempelstätten und wichtigen Zeugnissen des frühen Buddhismus. Der Bundesstaat hat auch Naturschönheiten wie lange, vom Tourismus unberührte Strände, Berge, hill stations und Höhlen zu bieten. Die Hauptstadt Hyderabad mit dem imposanten Golconda Fort ist das Hauptreiseziel der Region, aber es entstehen neue Straßen und Hotels im touristischen Bündnis mit den südlichen Nachbarstaaten.

Aurangabad

Die angenehm weiträumige Stadt mit 600 000 Ew. wurde 1610 gegründet und erst später nach dem Mogulkaiser Aurangzeb benannt, der sie 1653 zu seiner Hauptstadt erhob. Aus seiner Zeit sind einige Baudenkmäler und auch sein Grab erhalten. Von der modernen Industrie- und Universitätsstadt erreichen Sie die berühmten Tempelstätten Ajanta und Ellora in Tagesausflügen. In beiden Orten gibt es nur einfache Unterkünfte.

Bombay (Mumbai)

Salaam Bombay! Mit diesem Willkommensgruß aus dem bekannten Film beginnt für viele Touristen der erste Tag in Indien. Und das bedeutet: Sie erleben das pulsierende, schrille Leben einer indischen Megastadt, bevor sie mit indischer Landschaft, mit Kunst und religiöser Kultur Bekanntschaft machen. Nirgendwo sind Indiens Kontraste intensiver als hier. Bombays Slums zählen zu den schlimmsten, aber am Malabar Hill gibt es angeblich mehr Millionäre als in Manhattan. Wie eine Kinokulisse umgibt einen die Hinterlassenschaft der Briten: Bahnhöfe, Museen und Postämter in einem Mix viktorianisch-neogotisch-indosarazenischer Stile. Um Tempel, Moscheen und Märkte dröhnt der Verkehr und droht Bombay in Abgasschwaden zu ersticken.

Bombay ist Indiens wirtschaftliches Zentrum. Fast die Hälfte aller im ganzen Land eingenommenen Steuern sollen hier gezahlt werden. Aber bisher ist noch jede Stadtverwaltung mit ihren Versuchen gescheitert, Massenelend und Wohnungsmangel, Prostitution und Kriminalität wirksam einzudämmen.12 Mio. Menschen leben offiziell in der bevölkerungsreichsten Stadt Indiens. Weitere 3 Mio. pendeln regelmäßig aus den Vororten. Früher wohnten auf den Inseln Kolis, Fischer, die sich als Hilfsarbeiter verdingen mussten und dann Kulis genannt wurden.

1534 überließen Muslimfürsten die Insel Salsette und sieben weitere unbedeutende sumpfig-salzige Inseln den Portugiesen. Sie nannten ihre neue Besitzung Bom Bahia, »schöne Bucht«, in zufälligem Gleichklang mit dem der Hindu-Göttin Mumba, die auf einer Insel verehrt wurde - daher der jetzt neu-uralte Name Mumbai für die Stadt, die sich in viereinhalb Jahrhunderten so radikal verändert hat.

1661 wurde Bombay britisch. Seither wurden die Inseln durch Landaufschüttungen zu einer großen Halbinsel verbunden - noch heute ringt man dem Meer Land ab. Kaufleute und Händler aus vielen Teilen Indiens sowie Anhänger verschiedener Religionen - Parsen, Jains, Muslime, Sikhs - siedelten sich mit den Hindus in der neuen Niederlassung an, die König Charles II. an die East India Company verpachtet hatte. Handel und Industrie boomten nach dem Bau der ersten Eisenbahn 1853. Seit der Suezkanal den Seeweg nach Indien stark verkürzt, stieg Bombay in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. zum führenden Seehafen Britisch-Indiens auf.

Die Parsen, heute eine der kleinsten, aber einflussreichsten Religionsgemeinschaften Bombays, wanderten schon im 7. Jh. aus Persien nach Indien ein. Parsische Küche wird in vielen Restaurants Bombays angeboten. Eine Besonderheit der parsischen Kultur: Ihre Toten werden weder beerdigt noch verbrannt, sondern bei den Türmen des Schweigens nahe dem Malabar Hill ausgesetzt.

Ganpatipule

Muss man unter den vielen lockenden Stränden im Süden der über 700 km langen Maharashtra-Küste wählen, spricht viel für Ganpatipule, den uralten Pilgerort (2000 Ew.) am breiten weißen Strand, noch dörflich im Palmengrün. Pilger strömen zum jüngst erneuerten Tempel für den »selbst geschaffenen« Ganesh (einen Stein, der von Natur aus ein wenig wie der elefantenköpfige Gott des Reichtums und des Glücks anzusehen ist).

Übernachtungsmöglichkeit finden Sie im MTDC Resort Ganpatipule (Ganpatipule, Dist. Ratnagiri-415615, Tel. 02367/23 43 48, Fax 23 53 28, €). Am und überm Strand wurden hier musterhaft 20 Zimmer und Suiten neu erbaut (teils AC, auch Zelte). Hier bekommen Sie auch Auskunft über die Region und können im rustikalen Restaurant essen.

Im Umkreis lohnen Exkursionen, zum Beispiel zur imposanten Küstenfestung Jaigarh, die hinter einer 8 m hohen Ummauerung wie verwunschen die Jahrhunderte überdauert (35 km nördlich). Noch weiter nördlich an der N 17 werden im Städtchen Chiplun (rund 100 km) urige Bootsfahrten auf dem Vashisti-Fluss angeboten; benachbart sind ein Tempeltal und in schöner Hügellage die komfortable Gateway Riverview Lodge mit Garten, Tennis, Pool (Village Dhamandivi, Tel. 02356/27 22 33, Fax 27 20 59, gateway.chiplun@tajhotels.com, €€).

Hyderabad

Neben Bangalore und Bombay drängt Hyderabad als dritte Computer- und Softwarestadt nach vorne. Der ultramoderne Stadtteil Hitec-City wächst und wächst. Im Zentrum der 5-Mio.-Stadt südlich vom Hussainsagar, dem weiten Stadtsee mit der Buddhastatue, erinnern Paläste und Verwaltungsbauten im viktorianisch-indischen Stil an die britische Zeit. Hyderabad ist eine Stadt voller Kontraste: Zwischen orientalischen Moscheen, kostbaren Grabstätten und bunten Basaren haben Investoren einen Multiplex-Film- und Shoppingpalast errichtet, sogar eine Snow World mit alpinem Frostklima. Mitten in die Landschaft hat ein Kino-Tycoon zudem die Ramoji Film City gebaut (Besuche: Tel. 040/92 54 65 55). Dergleichen hat nicht einmal die Megastadt Bombay zu bieten.

Hyderabad wurde 1590 vom Nawab Muhammed Quli gegründet. Da das Fürstentum vor der Übermacht der Mogulkaiser auf der Hut sein musste und Muslime wie Hindus darin gleiche Interessen hatten, entwickelte sich ein friedliches Zusammenleben. Wegen des immensen Reichtums seiner Herrscher bekam der Name Hyderabad für viele einen märchenhaften Klang.

Pune (Poona)

Die »Königin des Dekkan-Hochlandes« hat durch ihre Höhenlage von knapp 600 m fast das ganze Jahr über ein erfrischendes Klima. Schon darum war Pune (3 Mio. Ew.) in früheren Epochen Residenzstadt. Die Peshwa-Dynastie der Marathen, die sich im 18. Jh. gegen das Mogul-Imperium behaupteten, herrschte hier. Die Briten hinterließen Gärten und Golfplatz, Reitbahnen und Bungalows. Und Bhagwan hinterließ hier Jünger aus aller Welt in seinem Ashram. Jüngst boomt die Computerindustrie. Mit dem Expresszug Deccan Queen ist Pune in drei Stunden von Bombay zu erreichen.

 

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